Hallo ihr Lieben,

eigentlich gilt das ja nicht, aber ich schreib den letzten Eintrag von Berlin aus, hab es in Hanoi aufgrund des Final Shoppings nicht mehr geschafft ;)

Ausserdem war ich via Hanoi Kultour zwei Tage in der Halong Bucht. Trotz der leichten Abzocke (120 USD fuer eine Einzelkabine, wobei Michelle und TJ nur 100 fuer eine Einzelkabine gezahlt haetten, ihren Veranstalter haben sie über die Website von Lonely Planet gefunden – und das von einem Deutschen ;) ) und trotz der Nebels war der Ausflug einfach ein Traum und die Felsen genauso schön wie auf den Fotos. In der Bucht liegen 3000 Kalksteinfelsen, der Sage nach hat eine pro-vietnamesische Drachenmutter diese 3000 Eier abgeworfen, um die chinesischen Invasoren abzuhalten, und danach hat ihr ihr Werk so gut gefallen, dass sie sich in der Bucht zum Schlafen gelegt hat. Ich hab sie nicht getroffen, dafür waren wohl auch zu viele Dschunken unterwegs ;) Die Bay ist wirklich voller Boote. Die UNESCO erlaubt wohl nur 80 auf dem Wasser, in realiter ist schätzungsweise die zehnfache Menge an Schiffen unterwegs, voller Touris aus aller Herren Länder. Dementsprechend viel Müll treibt je nach Strömung auf dem Wasser, und dementsprechend dichte Schiffs-Abgas-Nebel muss man ab und an durchfahren. Aber man hört nur selten ein Hupen, das Wasser liegt flach wie ein Spiegel und schillert in Jadetönen vor sich hin, und hinter den mystisch anmutenden Felskegeln und-kugeln meint man wirklich eine Drachenmutter schnarchen zu hören.

Wir haben touritypisch eine Tropfsteinhöhle besichtigt und sind mit dem Ruderboot durch einen natürlichen Felstunnel gefahren, haben Tonnen von fresh seafood gefuttert und hatten lustige Gespräche. An Bord waren Holly, eine Kanadierin, die in Bangkok unterrichtet und über das thailändische Neujahrsfest freigekriegt hat (sie musste übrigens 140 USD blechen, insofern war ich nicht die Einzige, die abgezockt wurde). Michelle und TJ aus Chicago waren 4 Monate in Saigon als English Teacher beschäftigt und sind auf der Durchreise nach Indien, bevor sie im Juni in Peru heiraten werden. Und dann noch zwei Piloten aus Australien mit ihren asiatischen girlfriends, deren Namen ich aber vergessen habe, sorry. Zu acht haben wir abends bei Blitzlicht Bier getrunken und einen 1996er roten Bordeaux, der Licht, Wärme und aufrechte Lagerung erstaunlicherweise gut überstanden hatte (der einzige trinkbare Wein, den ich in den 6,5 Wochen genossen habe).

Michelle und TJ hab ich dann abends in Hanoi zum Abschiedsdinner wiedergetroffen, Laura und Dave waren auch mit dabei, mussten ihr Essen allerdings in aller Eile herunterschlingen, weil sie den Nachtug nach Sapa gebucht hatten. Weil ich Laura mein Moskitonetz verkauft habe und Dave „Kafka on the Beach“ von Murakami überlassen habe, bin ich mit zurück zum Hotel gejoggt und hab ihnen ein Taxi zur trainstation organisiert. Neun Minuten hatten sie noch, „you have to drive fast„, haben wir dem Taxifahrer gesagt, aber sie hatten Pech und eine rote Ampel und sind zwei Stunden später wieder aufgekreuzt. Ich hoffe, sie haben den Zug am nächsten Tag erwischt. Es war auf jeden Fall very nice mit diesen Leuten, die Wochen und teilweise auch Jahre den Globus bereisen. Insofern kann ich das Hanoi Backpackers Hostel nur empfehlen (die Betten waren auch okay und einmal am Tag wurde alles saubergemacht, was wohl in Hostels und sowieso in Unterkünften in Vietnam nicht unbedingt selbstverständlich ist – und das für 7,50 USD im Dorm).

Am letzten Morgen hab ich dann endlich endlich die Lack-Photoalben auf ihre Reise geschickt, zusammen mit vielen Stäbchen und ein paar Tabletts etc. Ein Privatunternehmen wollte 200 bucks für das Shipping haben, die vietnamsische Post hat 50 genommen. Die ständigen Abzockversuche sind das, was Vietnam neben dem Klima und dem Hygienestandard so anstrengend machen. Ständig musste ich feilschen und feilschen – man kann davon ausgehen, dass Western Tourists grundsätzlich ein unerhöhrter Aufschlag gegeben wird, 500 % sind keine Seltenheit. Okay, das Land macht grad eine Inflation durch und zusätzlich liegt die Zweitwährung USD am Boden – aber das rechtfertigt nur die Preiserhöhung von 10.000 auf 15.000 Dong für eine Pho, keine Wahnsinnspreise, die an zuhause erinnern.

Den Taxifahrer zum Flughafen in Hanoi hatten Michelle und TJ über ihr Hotel organisiert und auch dort bezahlt. Trotzdem versuchte der Typ, uns zwei weitere Fahrgäste aufzudrängen – trotz Platzmangel. in Telefonat mit dem Hotel konnte die Situation klären, woraufhin der Fahrer kein Wort mehr mit uns wechselte.

Insofern muss man nur lernen, wie. Eine vietnamesische SIM-Card kann dabei helfen.

Trotzdem bin ich froh, wieder in der Ersten Welt zu sein mit ihren Hygienestandards, ihren fixed prices und ihrer Regelung, nur dann zu hupen, wenn man wirklich etwas mitzuteilen hat :)

Cheers,

eure A

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Ein Stückchen Heimat in SGN, ursprünglich hochgeladen von amoko

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Hanoi Street, ursprünglich hochgeladen von amoko

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Mein Team auf der Dschunke, ursprünglich hochgeladen von amoko

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Halong Bay V, ursprünglich hochgeladen von amoko

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Halong Bay III, ursprünglich hochgeladen von amoko

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Halong Bay II, ursprünglich hochgeladen von amoko

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Halong Bay I, ursprünglich hochgeladen von amoko

Hallo und Xin Dao, ihr Lieben,

heute morgen haben meine Hostelbekanntschaften Laura und Dave und ich Onkel Ho einen Besuch abgestattet, und das war eine echt sozialistische Erfahrung – laufen darf man auf dem Riesengelaende grundsaetzlich nur auf vorgezeichneten Wegen, d.h. unter einem blauen Plastik-Baldachin, der sich wie eine zackige Schlange zum Mausoleumseingang windet. Bewegt man sich aus Versehen ausserhalb des Baldachins, z.B. auf einem der breiten, breiten Buergersteige, pfeift einen ein schneidiger Soldat in weisser Uniform zurueck auf den Touristenpfad. Husch, husch, heisst es auch im Mausoleum selbst, einem klotzigen Marmorbau, der auf 15 Grad runtergekuehlt ist und von weiteren Waechtern flankiert wird, die starr blicken wie die Beefeater in London. In Zweierreihen gehts rein ins Prachtgrab, und schoen das Schrittempo nicht verlieren, dann im U herum um den einbalsamierten Ho Chi Minh in seinem Glaskasten, dessen Scheiben den sehr eigenen Geruch im Gebaeude nicht verhindern koennen. Der liebe Onkel sieht irgendwie nach einer vietnamesischen Variante von Schneewittchen sehr friedlich aus. Dabei wollte der Mann nie Ikone sein und nach seinem Tod (1969) lieber eingeaeschert und ueber sowohl Nord- als auch Suedteil des damals noch zweigeteilten Landes verstreut werden. Anstattdessen wandern heute taeglich zwischen 8 und 11 morgens Horden an Touristen und Einheimischer (nur letztere verzueckt) an diesem revolutionaeren Helden der Nation vorbei und koennen zudem noch in seine ehemaligen Privatgemaecher spannen, sich seine Schreibtische und seine Betten angucken und seine Buecherregale, aus denen natuerlich Werke von und ueber Lenin leuchten. Das Museum haben wir uns dann gespart.

Lohnender war auf jeden Fall mein Besuch im Buero von Hanoi Kultour im Goethe-Institut hier und die Bekanntschaft mit dem Journalisten und Von-Zeit-zu-Zeit-Tourguide und Hobbykoch Christian Oster, der seit 3 Jahren in Hanoi lebt und Touren organisiert oder Politikern oder Wirtschaftsmagnaten die Stadt erklaert. Er hat mich einen Nachmittag lang durch die Altstadt gefuehrt durch Strassen, die ich bereits abgelaufen hatte, auf denen ich heute aber dank seiner Erlaeuterungen und Geschichten so viel mehr wahrnehmen konnte. Ein echter Augenoeffner… ich kann gar nicht mehr alles widergeben, auf jeden Fall hab ich viel gelernt ueber traditionelle Medizin, ueber die Funktion von Tempeln als sozialem Meeting Point, ueber Perfiditaeten und Alltag im sozialistischen Staat, ueber Fassaden und Suessigkeiten, ueber Budgetplanung und Einkommenskluften und gute Shoppingadressen. Hab viel viel mehr gelernt als ueber Internet oder meine 3 Reisefuehrer, ich denke, selbst mehr als mit einem einheimischen Guide moeglich waere, da hier vielleicht der Abstand zur eigenen Kultur / Mentalitaet / Alltag fehlt. Vietnam ist auf jeden Fall soooo unglaublich viel anders als Deutschland, der vietnamesische Lebensentwurf in all seinen Ausformungen wurzelt in totally different Ausgangspunkten und waere fuer jemanden meiner Kultur nicht nachlebbar. Allein schon die Sache mit dem Kopieren und Imitieren, ob es nun Turnschuhe betrifft oder Nobellabel oder Van Goghs oder erfolgreiche Geschaeftsideen – undenkbar in Deutschland, man haette gleich zehn Copyrightklaeger am Hals, in den buddhistisch-konfuzianischen Lebensentwurf passt gnadenloses Kopieren hingegen nahtlos.

Mit Hanoi Kultour mache ich morgen auch meinen Ausflug in die Halong Bucht – einen Tag und eine Nacht durch die magische Felsenlandschaft, die aktuell zu einem der neuen 7 Weltwunder gewaehlt werden moechte, in einer Dschunke, die supergutes Essen catert und abseits ausgetretener / abgefahrener Wasserwege fahren wird. Das hat seinen Preis, genau wie der Spaziergang heute, aber auch wenn man sich von dem Geld zwei Monat lang von Pho Bo ernaehren koennte, bin ich ueberzeugt, dass sich die Investition lohnt. Same, same, but different!!!

Montag nachmittag bin ich zurueck in Hanoi zum final shopping und wenn ich Glueck habe, hat der eine Haendler dann seine Lieferung neuer old school Photoalben erhalten und kann mir 15 davon abtreten, und wenn ich Pech habe, muss Madame Ho jemand anders schicken mit mehr Glueck. Ach, die Staebchen hier sehen auch ganz anders aus als erwartet, mit Perlmutt und haesslichen Schnitzereien und Sperenzchen und ganz und gar nicht geschmackvoll. Vielleicht sollte man lieber mal in Laos nach decent Schaetzen gucken.

CU soon, meine Lieben – noch drei Tage…

eure A

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Van Gogh a la Vietnamese, ursprünglich hochgeladen von amoko

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